Letzte Winterwanderung

Die Wanderung beginnt in Kavousi, das liegt 30 Min. von Agios entfernt. Eine imposante unwegsame Schlucht liegt hinter dem Ort. Wir erklimmen auf schmalen Wegen die Flanke der Schlucht und erreichen ein erstes Plateau, jetzt sind wir schon oberhalb der unpassierbaren Schlucht. 

Nun gehts weiter den Berg hinauf, hier folgen wir einer betonierten Wasserleitung. Diese brachte früher das Wasser aus den Quellen der Berge ins Dorf runter. Leider ist die Wasserleitung durch Steinschlag defekt und an einigen Stellen von Geröll zugeschüttet worden.

Die Natur hat sich in den letzten Wochen stark verändert, die Kräuter und Sträucher blühen jetzt und unzählige Insekten krabbeln zwischen den Steinen. Die Singvögel sind wieder zurück aus Afrika, Schwalben ziehen ihre Kreise und der helle Klang der Meisen tönt durch die Felswände.

Sonst ist aber absolute Stille hier in den kretischen Bergen, nur mein Tinitus stört die Ruhe. 

Der Wasserleitung entlang erreichen wir ein verlassenes, einsames türkisches Bergdorf. Die Türken wurden vor ca. 100 Jahren aus Kreta "ausgesiedelt". Weil keine Kirche im Dorf steht, kann es nur ein türkisches Dorf sein. Hier gibts die erste Verpflegungspause, vor allem der Durst muss gestillt werden, es ist heiss. Hier endet auch der Wasserkanal. 

Nun gehts nochmals weiter bergauf, bald erreichen wir die minoische Siedlung “Kastro”. Von hier oben ist die Sicht einmalig, der Blick über das weite Meer und die kretischen Berge. Fast senkrecht unter uns das Dorf Kavousi, unser Start und Ziel. Steil runter gehts nun auf schmalen Wegen, die wohl schon hunderte Jahre alt sind. Kurz vor dem Dorf kommen wir an einem uralten, mächtigen Olivenbaum vorbei. Von diesem Baum wurden in der Antike Olivenzweige für die Siegerehrungen nach Olympia geschickt. Nun sind wir wieder zurück bei den Autos, mit überstrapazierten Knien und müden Füssen, aber ich hab wieder ein neues Stück Kreta kennen gelernt. 

 

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