Überfahrt nach Sardinien

Es ist noch dunkel, ich mache Kaffee und wecke Marina. Der Mond steht noch über dem Fischerdorf Fornells. Das Deck ist tropfnass vom Tau, das bedeutet, dass es wieder ein sonniger Tag wird. Nach der Tasse Kaffee kanns los gehen. Instrumente einschalten, Positionslichter einschalten, Anker raufwinschen. 

Noch kein Wind, wir motoren raus aus der langen Bucht, draussen auf dem Meer gibt es nun nur noch einen Kurs, 80 Grad --- Sardinien. 

Um 9 Uhr gibts etwas Wind, wir setzen das Grosssegel und den Blister um 9.30 Uhr haben wir die ersten 10 Meilen. Am Ziel werden es 192 Meilen sein. 

Wir haben wenig Wind und machen nur 4,5 Meilen die Stunde, ab Mittag dreht der Wind auf, um 15 Uhr müssen wir den Blister bergen, zu viel Wind, 15 Knoten, wir fahren über 6 Knoten. Wir setzen die Genua, der Südwind bläst mit 4- 5 Windstärken, um 17.15 haben wir 48 Meilen geschafft. Bald stellt der Wind ab und wir starten den Motor. Auch rumsitzen gibt Hunger, zum Znacht gibts Schnitzel und Nudeln an feiner scharfer Tomatensauce und 2 Gläser Rioja. Ein Segelschiff kommt uns entgegen, dann um 20 Uhr ein toller Sonnenuntergang.

Wir haben die ganze Nacht nur leichten Wind, kommen nicht schnell vorwärts. Die Wellen streicheln das Schiff, es plätschert und schaukelt friedlich und gleichmässig. Zuerst Sternenhimmel, dann geht der Mond auf. Wir stellen den Wecker, dass er uns alle halbe Stunde weckt, kontrollieren die Instrumente und halten Ausschau, ob Schiffe in der Nähe sind. Bei Tagesanbruch am Morgen um 6.30 Uhr haben wir 100 Meilen geschafft. Um 7 Uhr steigt die Sonne aus dem Meer.
Wir haben nur schwachen Wind aus Südost, wir segeln mit nur 3,5 Knoten, so wird das ewig dauern bis nach Sardinien. Wir wollen nicht zuviel mit dem Motor fahren, doch am Mittag stellt der Wind ganz ab und wir starten den Diesel. Um 17 Uhr baden wir im tiefblauen Wasser, eine Farbe wie Pelikantinte. Das Wasser ist hier über 2100 Meter tief, schon ein mulmiges Gefühl. Nach dem Abendessen gibts wieder Wind, jetzt aus Nordost nur schwach aber immerhin gehts wieder vorwärts. Es sind noch etwas über 40 Meilen, wir können die Berge von Sardinien erkennen. Um 20.30 geht die Sonne unter. Der Sternenhimmel funkelt über uns, der Leuchtturm vom Capo Caccia blinkt im Osten, das ist unser Ziel, die Bucht hinter dem Leuchtturm. Der Wecker mahnt uns alle halbe Stunde Ausschau zu halten, keine Fähren, kein Frachter, keine anderen Schiffe, wir sind alleine weit und breit. Das Segeln in der Nacht bei Mondschein ist speziell, das Geräusch der Wellen am Schiffsrumpf, die Windgeräusche in den Segeln sind viel intensiver als am Tag. Der Wind kommt mal stärker, dann flaut er wieder ab. Wir haben entschieden, erst nach Sonnenaufgang in die Bucht einzulaufen. Der Plan geht auf, der Wind kommt mit dem Tageslicht nochmals stärker und wir segeln unter dem mächtigen Felsen "Capo Caccia" in die Bucht Porto Conte rein. Wir ankern nahe am Strand, doch der Anker will nicht halten, so entscheiden wir an einer Boje festzumachen. Italien wir sind angekommen, nun gibts Frühstück und Landgang. 

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